Die Bericher Variante der vorstehenden Sage - Wichtelkoenig Eck

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Die Bericher Variante der vorstehenden Sage

Sagen
Der Schatz im Edersee
(Vorlage in Bericher Mundart aus dem Jahr 1959 von dem Bericher Heinrich Schreff. Ins Hochdeutsche übersetzt von Helge Franz)
Vor vielen, vielen Jahren, war da, wo heute der Edersee sich befindet, schon einmal ein See. Der Hopfenberg (die heutigen Ederseeinseln) reichte bis an die Kanzel und staute die Eder auf. Das Tal war voll mit Wasser. Die Leute lebten auf den Bergen mehr schlecht als recht und nagten manchmal an dem Hungertuch. Der See musste ihnen die Fische liefern. So manches Mal sagten sie: „Ja, wenn wir in dem Tal leben könnten!“ Dann passierte es, dass ein alter Mann kurz vor dem Sterben sagte: „Da unten in dem See liegt ein großer Goldschatz." Auf die Frage der Kinder, wo dieser läge, gab er keine Antwort mehr. Vergessen aber war sein letztes Wort nicht.
Und dann hörten sie von Riesen, die in einen fremden Land wohnten. Und ein ganz Schlauer kam auf den Gedanken: Die müssen uns das Wasser wegmachen! Sie kratzten das Geld, das sie hatten zusammen - viel war es nicht - und schickten ein paar Männer los. Die brachten es fertig, dass so ein paar Riesenkerle kamen, ja, die brachten die Botenleute auf den Schultern mit zurück. Und dazu noch ihre Hacken und Schaufeln. Für die war es eine Kleinigkeit, in den Berg, der das Tal sperrte, Rinnen zu graben, diese immer tiefer zu machen. Das Ederwasser schoss nun da hinein und half diese breiter zu machen. Die Riesen standen dabei und halfen nach. Der Seespiegel sank, zuletzt bis auf den Grund. Da wurde schon nach dem Schatz gesucht, von dem der Opa gesprochen hatte, aber sie holten sich nichts wie dreckige Füße. Und ganz Vorsichtige meinten schon: „Soll er uns so angeführt (veralbert) haben?“ Das konnten sie doch nicht glauben. Wie wieder mal das Frühjahr kam, machte einer ein Stück Land (im Tal ) zurecht und säte Hafer aus. Wie die Erntezeit kam, merkten sie alle den Unterschied: So dünn und mager oben bei ihnen und so üppig unten in dem Tal.

Jetzt wussten sie, was der Opa mit dem Schatz gemeint hatte: Die Bodenfruchtbarkeit! Das Gold war da, es musste nur durch Arbeit herausgeholt werden! Sie ließen ihre armen Hütten oben in Stich und bauten unten ein neues Dorf. Aber sie kannten die wilde Eder noch nicht. Weil sie die Häuser zu dicht an das Ufer gesetzt hatten waren sie bei dem Frühjahrshochwasser weggeschwemmt worden. Nun erst guckten sie sich das Plateau an der Ratzburg genauer an und bauten ihr Dorf dorthin. So ist Berich entstanden, das 1912 wieder abgetragen werden musste.

(übersetzt von Helge Franz (C) 2016)

 
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